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Missbrauch

 

Missbrauch King Ego LP Vorbestellung

Missbrauch

★Punk rock from Munich★

Die 1991 gegründete Band MISSBRAUCH aus München steht für angepissten, ehrlichen Deutschpunk der alten Schule, der durch den Einsatz von Saxophon, Harp und Ska-Elementen seinen ganz eigenen Sound bekommt. Mit provokanten, gesellschaftskritischen Texten legen sie den Finger treffsicher in die Wunden der Gegenwart und fordern Haltung sowie unangenehmen Diskurs ein. 

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Interview mit Missbrauch

Ihr wart jetzt 15 Jahre lang nicht im Studio. Mal ganz unter uns: Habt ihr so lange gebraucht, um die drei Akkorde für die neuen Songs zu lernen, oder war der Donnerstagsproben-Stammtisch einfach so verdammt süffig und gemütlich, dass ihr das Aufnehmen glatt vergessen bzw. unentwegt verschoben habt?

Stichi (Schlagzeug): Richtig, das hätte die Erklärung sein können. (lacht) Nein, wir hatten in den letzten 15 Jahren immer wieder Besetzungswechsel am Bass, was uns musikalisch zwar sehr bereichert hat, aber beim Songwriting sind wir dadurch leider auch immer wieder etwas zurückgeworfen worden. Live spielen war uns irgendwie immer wichtiger – deswegen lag das Hauptaugenmerk auf Konzerten. Und dafür mussten wir uns bei jedem Wechsel erst einmal wieder ein Repertoire draufschaffen. Die Corona-Zeit haben wir dann auch nicht wirklich genutzt, um Aufnahmen vorzubereiten. „Panta rhei“ ist der einzige Song aus dieser Zeit. Und, um’s mal genau zu nehmen: Die Drum-Patterns waren schon ein Jahr früher im Kasten, bevor es mit den restlichen Instrumenten weiterging. Marc war dort die treibende Kraft und hat die Aufnahmen mit der Vorproduktion ordentlich angeschoben. Im Sommer 2025 ging es für unsere Verhältnisse dann eigentlich recht schnell, obwohl natürlich die Stammtisch-Zapfanlagen-Proben schon hier und da einen Riss in der Gedächtnislinie verursacht haben.

Barny (Gesang): Ja, da ist schon was dran! Für uns war „Band“ nämlich schon immer mehr als einfach nur Mukke machen. Stammtisch trifft es eigentlich ganz gut: Da kommen sechs Freunde einmal die Woche zusammen – aber eben nicht, um irgendetwas zu müssen, sondern einfach nur, um zu sein – ganz ohne Pressdruck! Stimmt schon, wir sind nicht wirklich in die Pötte gekommen. Aber als Oli dann auch schon wieder ein paar Jahre bei uns am Bass war, waren es doch irgendwann einige neue Songs. Und die möchte man dann halt auch mal in ordentlicher Qualität hören und nicht nur als Proberaum-Geschepper!

missbrauch King ego LP

Der Titelsong wettert gegen die rücksichtslose Ellenbogengesellschaft. Jetzt Hand aufs Herz: Wer von euch sechs ist denn intern der heimliche „King Ego“, der im Backstage die letzten lauwarmen Bierdosen für sich beansprucht und den Vortritt am Buffet verlangt?

Stichi: Man munkelt, dass ich das wäre, was sicherlich nicht an den letzten Bieren oder am Catering liegt. Es ist wohl eher meine zum Teil harsche Art, wenn etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber ich arbeite daran! (lacht) Ansonsten gilt bei uns schon immer die Devise „Bei uns gibt’s kein‘ Chef!“

Barny: …nur eine Diva! (lacht) Nein, bei aller Selbstkritik: Dieser Song soll der Gesellschaft den Spiegel vorhalten und ist nicht als Abrechnung mit der eigenen Band zu verstehen. Mir ist einfach viel zu viel „ich, ich, ich“ in der Welt. Und genau das beschreibt der Text zu „King Ego“.

Druckvoller Deutschpunk kombiniert mit Saxophon und Mundharmonika. Klingt extrem edel – aber wie oft müsst ihr euch beim Deutschpunk-Publikum dafür rechtfertigen? Die denken doch, ihr wärt heimlich eine getarnte Jazz-Combo oder eine betrunkene Hochzeitsband!

Stichi: Klingt manchmal eher nach einer betrunkenen Jazz-Combo – haha.

Ich würde sagen, das liegt eher daran, dass wir in den 90ern die Band Fluchtweg abgefeiert haben und danach alle vom Skapunk der Nuller-Jahre infiziert wurden. Als dann Djtschke uns eröffnete, dass er nicht nur Gitarre, sondern auch Sax spielen kann, gab es kein Halten mehr. Ditschke hat dann mal für einige Zeit die Band verlassen und da kam Barny auf die Idee, das fehlende Sax mit einer Mundharmonika zu ersetzen und hat sich alles selbst beigebracht. Als Djtschke dann vor gut zehn Jahren wieder eingestiegen ist, wurden einfach beide Instrumente zusammengeführt und gut war’s. Man kann schon sagen, dass der Sound nicht bei jedem Punk-Liebhaber gut ankommt. Einige finden das Getröte nervig, andere feiern es ab. Man kann es halt nicht allen recht machen und im Endeffekt muss es ja uns gefallen. Ich glaube auch, dass wir inzwischen eine ganz gute Mischung aus allem haben.

Barny: Sehe ich auch so. Ist doch ganz normal, dass die große Geschmacks-Diskussion losgeht, wenn bei einer Band irgendetwas anders ist als bei den meisten anderen. Und da sind wir in der komfortablen Situation, dass wir es niemandem recht machen müssen, weil wir niemandem ein bestimmtes Produkt oder einen bestimmten Stil schuldig sind. Wie Stichi schon sagt: Uns taugt das Setting mit Sax und Harp – das sind wir und so sind wir.

In „Kleiner Blockwart“ knöpft ihr euch das klassisch deutsche Denunziantentum vor. Hand aufs Herz: Habt ihr den Text nur geschrieben, weil euch der Nachbar mal wieder das Ordnungsamt wegen Ruhestörung bei der Donnerstagsparty auf den Hals gehetzt hat, oder führt Trommler Stichi heimlich Buch über falsch geparkte Autos vor dem Proberaum?

Stichi: Leider sind in den letzten Jahren das klassische Denunziantentum und Deutschtümelei wieder so erstarkt, dass man da auch textlich was dagegensetzen muss. Es ist immer leichter, vor anderen Haustüren zu kehren als vor der eigenen.

Barny: Kehren sollten wir eher mal im Proberaum statt davor. (lacht) Nein, mal kurz zur Einordnung: Mit unserem Proberaum haben wir eine echte Luxus-Situation: Wir können da 24/7 Krach machen, aber meistens macht uns schon vor Mitternacht die Zapfe einen Strich durch die Rechnung. Aber zu deiner Frage: Wenn eine Gesellschaft unzufrieden ist und nur um sich selbst kreist – Stichwort King Ego – dann schlägt die Stunde der Hobby-Regelhüter. Der Grundsatz „leben und leben lassen“ kommt dann unter die Räder.

Im Song „DIY“ singt ihr über verpasste Major-Deals und dass ihr auf die Musikindustrie scheißt. War das damals in den 90ern eine bewusste, rebellische Punk-Entscheidung gegen die bösen Labels, oder wart ihr der Plattenindustrie am Ende einfach einen Zacken zu anstrengend und unangepasst? Wieso seid ihr jetzt überhaupt auf einem Label?

Stichi: Ich muss sagen, dass Labels in der Szene unersetzlich sind. Ohne deren Arbeit, Enthusiasmus, Idealismus und Leidenschaft wäre der Punk in Deutschland nicht da, wo er heute ist. An dieser Stelle einmal ein großes Dankeschön hierfür. Wenn man wie wir eine Alte-weiße-Männer-Band ist ohne Affinität zu den neuen asozialen Medien à la Facebook, TikTok und dergleichen, wird es ohne Label sehr schwer, seine Musik zu verbreiten. Ohne Streaming-Dienste geht ja auch nichts mehr heute. Nicht umsonst stirbt gerade die CD. Bis auf die „Ein Volk ist satt“ sind alle Scheiben von uns bei Labels erschienen und wir waren bis auf eine Ausnahme immer sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. Klar kann man immer was bemängeln, aber das wäre vermessen. Man merkt schnell an den Verträgen, wohin die Reise geht und ob hinter den Machern eines Labels Geschäftsleute stehen oder Idealisten mit der Liebe zur Musik und deren Verbreitung. Doch das muss man erst lernen – manchmal auch in schmerzlicher Erfahrung. Und allein schon das Wort „Plattenindustrie“: was für ein schreckliches Wort in Bezug auf Punk-Musik. Aber nach meinem Dafürhalten ist das meiste, was da in den letzten Jahren von den großen Labels in der Richtung rauskam, dann doch sehr Mainstream und massentauglich ohne Ecken und Kanten.

Euer Bandname MISSBRAUCH triggert im ersten Moment viele – ihr stellt aber unmissverständlich klar, worum es euch eigentlich geht: den Finger in die Wunden der Gesellschaft zu legen. Wie oft müsst ihr das eigentlich Veranstaltern oder den eigenen Schwiegereltern erklären, bevor die euch beruhigt auf die Bühne oder zum Sonntagsbraten lassen? Ihr habt doch Schwiegereltern, oder? Zumindest einige von euch, nicht?

Stichi: Ja, der Bandname triggert, das stimmt. Früher war es aber eher das Doppel-„S“ im Bandnamen und deren Schriftart im Schriftzug. Ich glaub, da gab es das Wort „triggern“ noch gar nicht in unserem Sprachgebrauch… (lacht)

Barny: …und Missbrauch hat man damals noch mit „ß“ geschrieben!

Stichi: Mir ist nichts bekannt von abgesagten Sonntagsspeisen von irgendwelchen Schwiegereltern. (lacht) Ja, aber stimmt schon: In den letzten Jahren sind vermehrt negative Reaktionen aufgetaucht und wir mussten uns erklären. Wir empfinden das aber nicht als negativ, sondern eher als Chance, unsere Beweggründe zu erklären und auf die verschieden Arten von Missbrauch hinzuweisen.

Barny: …und dass es meistens eben nicht so ist, wie es auf den allerersten Blick erscheint. Mit unserem Bandnamen wollten wir ja ganz bewusst einen Kontrapunkt zum üblichen Schubladendenken der Gesellschaft setzen. Für uns als sozialkritische Deutschpunk-Band war das Anfang der 90er wirklich wichtig – auch wenn uns schon klar war, dass wir damit enorm provozieren.

Stichi: Und weil der Wirbel um unseren Namen heute etwas größer ist als damals, gibt es von uns ja auch eine entsprechende Info, die wir versuchen so gut es geht zu verbreiten – sei es auf Flyern oder auf Veranstaltungsseiten im Internet. Gerne kann man uns auch immer persönlich ansprechen oder anschreiben – solange es sachlich bleibt! Auf Beschimpfungen und Beleidigungen können wir aber gerne verzichten.

Barny: …zumal ich uns da auch überhaupt nicht in einer Rechtfertigungsposition sehe! Denn eigentlich muss man sich ja nur mal unsere Texte durchlesen. Die sagen nämlich alles darüber aus, wo wir stehen und wie wir ticken.

In euren aktuellen Songs geht es um ziemlich finstere gesellschaftliche Realitäten – von skrupellosen Autokraten bis hin zum Elend von Geflüchteten. Hand aufs Herz: Wie viel von der jugendlichen 90er-Jahre-„Hauptsache dagegen und laut“-Attitüde steckt heute noch in euch, und wie viel ist mittlerweile bitter ernste, reflektierte Gesellschaftskritik? Müsstet ihr nicht schon völlig zynische Misanthropen sein?

Barny: Gute Frage! Das klingt schon irgendwie nach logischer Konsequenz – ist bei mir persönlich aber nicht so. Ich habe immer noch Hoffnung, dass Menschen sich ändern können und Dinge zum Guten wenden. Aber das kommt halt leider viel zu selten vor. Die Attitüde der Band hat sich dabei eigentlich gar nicht mal so sehr gewandelt. Wir waren auch zu Beginn nicht wirklich auf Krawall gebürstet. Der gesellschaftskritische Ansatz hat sich auch in den Texten nicht grundsätzlich verändert: immer direkt, immer entlarvend – aber ohne die typischen Schlagwörter und Phrasen. So kommt es, dass ich hinter nahezu allen Texten, die ich geschrieben habe, auch heute noch zu 100 % stehe. Den ersten Song der ersten Scheibe – „Minderheiten“ – haben wir erst kürzlich wieder ausgegraben und werden ihn auch wieder live spielen.

Stichi: Was sich für mich geändert hat, ist vor allem, dass man schaut, in seinem eigenen Umfeld positiv zu agieren und aufzuklären. Oft fehlt aber auch die Kraft, gegen diese geballte Ignoranz im Lande anzukämpfen. Also bei mir treten schon öfter mal zynische misanthropische Züge auf. Nicht umsonst zählt der Song „I Hate People“ von der Anti Nowhere League zu meinen Lieblingsliedern.

Welches Lied muss unbedingt Zuhörende finden? Was bedeutet euch am meisten?

Stichi: Kurz und knapp: Kämpft euch durch das ganze Album, lest die Texte! Die halbe Stunde packt ihr! (lacht)

Barny: Da gebe ich Stichi recht. Aber wenn ich jetzt einen rausgreifen müsste, würde ich „Pass auf“ empfehlen. Dieser Song ist ein Appell, die Gefahren dieser Zeit ernst zu nehmen – insbesondere solche aus dem Netz. Während die anderen Songs auf der Scheibe mehr oder minder Zustandsbeschreibungen sind, ist die Message von „Pass auf“ direkt an die Zuhörenden gerichtet – und dort insbesondere an die jüngere Generation mit Blick auf Cyber-Mobbing.

Sodala, wir kommen zum Ende. Was wollt ihr euren Fans noch mit auf den Weg geben? Paar Worte der Macht?

Stichi: Passt auf euch auf, seid empathisch und gutherzig allen gegenüber. Gebt nicht auf – steht auf und kämpft!

Barny: Was soll da noch kommen? Vielleicht der Tipp, uns mal live anzuschauen. Wir machen den Scheiß zwar jetzt schon über 30 Jahre lang, aber wir haben immer noch Bock. Und ich denke, das transportieren wir auch auf der Bühne. Also: Wir sehen uns!

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